Juniatag 2026

Danke für die grossartige Gastfreundschaft in Klingnau

Frauen im höchsten Amt und Kinder in Seifenkisten

Es ist was los im kleinen Städtchen Klingnau im Aargau an diesem Sonntag, den 17. Mai. 60 Kinder rasen beim Seifenkistenrennen die Höngerstrasse hinab, begeistert angefeuert von vielen Menschen am Strassenrand. Und gleichzeitig treffen sich im Pfarreizentrum Johanniter 30 Frauen und 2 Männer zum Juniatag der #Juniainitiative. Am Abend zur Abschlussfeier in der Stadtkirche sind es dann mehr als 50 Personen.

 

Es ist was los in Klingnau am Festtag der Apostelin Junia

Junia kommt in der Bibel vor, genauer im Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Rom (Kapitel 16). Lange wurde verschwiegen, dass es Apostelinnen in der christlichen Kirche gab. Aus der Junia wurde ein Junias gemacht, die Frau als Apostelin wurde unsichtbar gemacht, was erst in den vergangenen Jahren in den meisten heutigen Bibelausgaben korrigiert wurde. Konsequenzen daraus stehen mindestens in der römisch-katholischen Kirche noch aus. Aber alles ist bereit dafür. Die Apostelin Junia gibt der #Juniainitiative ihren Namen. Darin organisieren sich Frauen, die im kirchlichen Dienst bewährt sind. Sie bieten an, an ihren Wirkungsorten und mit den Menschen dort die Sakramente zu feiern – beauftragt von der Gemeinde und ordiniert vom Bischof. Im Pastoralraum Aare-Rhein, zu dem Klingnau gehört, wurde so etwas am 1. April in der Regionalzeitung Botschaft, bereits öffentlich verkündet. Ein Aprilscherz mit so hoher Glaubwürdigkeit, dass deutlich wurde: Die Zeit dafür ist mehr als reif – nicht nur an Aare und Rhein. Der Juniatag fand jedenfalls am 17. Mai am richtigen Ort statt.

 

Die Prophetie als höchstes Amt

Ausgehend vom Prophetiegesetz im Deuteronomium (5. Buch Mose, Kapitel 18) stellt die Referentin des Juniatages, Professorin (emerit.) Irmtraud Fischer von der Universität Graz, die Prophetie als höchstes Amt im biblischen Verständnis vor. Das einzige Amt, für das Menschen, Männer und Frauen, direkt von Gott eingesetzt werden, wann immer sie gebraucht werden. Zwei davon sind die Prophetinnen Debora und Hulda. Sie stehen am Anfang und am Ende des Teiles der Bibel, der in der jüdischen Tradition «die vorderen Propheten» heisst. Sie bilden also einen Rahmen um die Erzählungen von biblischer Prophetie, zu der auch Schriftpropheten wie Jesaja und Jeremia gehören. Die Fokussierung auf die männlichen Propheten mit eigener Schrift hat die Wahrnehmung der Prophetinnen in der Bibel verdrängt. Die Arbeiten von Professorin Fischer als Teil eines breiten Netzwerkes machen die Frauen in der Bibel eindrucksvoll sichtbar. Grade ist die Buchreihe «Die Bibel und die Frauen» mit 21 (!) Bänden abgeschlossen worden, an der mehr als 300 Forschende aus 30 Ländern mitgearbeitet haben.

 

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«Prophetie streichelt nicht»

Am Juniatag in Klingnau schärfte Irmtraud Fischer in einem Workshop nach ihrem Vortrag das Profil von Prophetie in der Bibel und ihre Bedeutung für die Kirche heute: «Prophetie ist Gegenwartsdeutung und Zukunftsergründung» und «Prophetie aktualisiert die Schrift». Und ganz entscheidend und wegweisend: «Prophetie streichelt nicht.» Weil Prophetinnen und andere Amtsträgerinnen wie Junia von männlichen Bibelauslegern oft verschwiegen oder umgedeutet wurden, betont Fischer: «Es gibt so viel mehr als Mann uns glauben machen will» und ruft dazu auf, geschlechtsgeprägte Vorurteile selbstkritisch zu bearbeiten. Vom Bibeltext soll nichts weggelassen und zum Text nichts hinzugefügt werden. Die Kommentare zu Bibeltexten, die sollen aber so fluid wie möglich sein und in aller Freiheit fliessen zwischen Text und Gegenwart. Mehr unter kath.ch.

 

Weitere Workshops für persönliche Auseinandersetzung und kreative Gestaltung

Drei weitere Workshops luden die Teilnehmenden am Juniatag zur Weiterarbeit ein. Der Workshop «Prophetische Stimmen im Pfarreialltag von Kleinen und Grossen» unter Leitung von Caroline Küng, bot Raum für persönlichen Austausch: Hören wir prophetische Stimmen? Nehmen wir sie ernst und handeln danach? Sind wir selber prophetische Menschen? Aus der Gruppenarbeit entstanden Leitsätze wie: Es braucht Mut und Geduld, feinfühliges Hinhören und klares Sprechen. Prophetisches Sein soll verbinden, stützen und Raum schenken für Geborgenheit und für Erfahrungen der Nähe und Kraft Gottes. Worte, Gesten und Tanz zum Abschluss bestärkten uns im Sinne vom Text von Lisiane Endeli: Auch du bist Prophetin, in dir tanzt das Licht, ausgespannt zwischen Himmel und Erde…!

„Phoebe, eine Frau macht sich auf den Weg“ hiess der Workshop, den Caroline Schmausser leitete. Phoebe, die Diakonin, wird wie Junia im biblischen Brief an die Gemeinde in Rom genannt. Da ist die Rede von einer Frau mit einem Auftrag, die  sich auf eine Reise begibt, um mit Menschen in Kontakt zu kommen. Von einem  Brief, der geleistete Unterstützung anerkennt, dankt und gleichzeitig um weitere Unterstützung bittet. Dem wurde im Workshop nachgespürt und anschliessend gestalterisch Ausdruck gegeben. Entstanden sind vielfältige, kreative und ausdrucksstarke Arbeiten. Es folgte ein angeregter und inspirierender Austausch in der Gruppe und damit die Möglichkeit, mit sich selbst und anderen in Kontakt, zusammen und mit Phoebe auf dem Weg zu sein.

«Mirjam, die Prophetin, die auf die Pauke haut» war der Titel des dritten Workshops, den Peter Zürn leitete. Mit Bibliolog und Bibliodrama öffnete sich der Bibeltext von Mirjam, ihrem Tanz mit den Frauen und ihrem Gesang mit dem ganzen Volk nach der Befreiung aus der Sklaverei und dem dramatischen Durchzug durchs Meer (Exodus 15,20-21). Er wurde zu einem Erfahrungsraum, in dem sich die biblische Geschichte mit der persönlichen Lebensgeschichte verbindet. Die intensiven persönlichen Erfahrungen, die hier gemacht wurden, sollen geschützt bleiben und werden nicht veröffentlicht.

 

Zu Gast in einer Gemeinde

Zum Juniatag gehört auch immer das gemeinsame Essen und Trinken. Dabei wird viel von der gastgebenden Pfarrei sichtbar. Im Pfarreizentrum Johanniter in Klingnau gab es Suppe und Salat. Gekocht von der Köchin der Fastensuppen und serviert von Frauen aus der Gruppe Mondial, in der sich monatlich Menschen aus der ganzen Welt treffen. Sie verwandelten sich später in den Chor, der die Abschlussfeier in der Kirche musikalisch gestaltete. Zum Kaffee, der von einem Mann aus der Pfarrei serviert wurde, gab es Kuchen, die von Frauen vom Frauenbund Klingnau gebacken wurden. So verband sich der Juniatag mit dem Leben der Pfarrei St. Katharina, das sehr stark vom freiwilligen Engagement von Frauen getragen ist. Auch die Einladung nach Klingnau ging von einer Frau aus der Gemeinde aus, die auf die Frage am Ende des Juniatages 2025, wer im nächsten Jahr gastgebende Gemeinde sein könnte, Klingnau ins Spiel gebracht hatte. Auch für 2027 gibt es bereits eine Meldung. Aktuelle Infos folgen auf der Webseite.

 

«Starre nicht auf das, was früher war, steh nicht stille im Vergangnen»

Mit dieser Liedzeile von Huub Oosterhuis begann die abschliessende Feier des Juniatages in der Kirche St. Katharina, zu der etliche Menschen aus der Pfarrei, dem Pastoralraum und der Region eigens dazukamen. Im Zentrum der Feier stand die Sammlung von prophetischen Worten und Erfahrungen des Tages. Sie wurden auf Karten in die Mitte gelegt. Am Ende der Feier konnten sich alle eine Karte und ein Briefkuvert mitnehmen um so selbst zur Phoebe der Bibel zu werden, die einen Brief auf den Weg zu den Menschen bringt. Die Lesung des Bibeltextes von Mirjam und dem Lied nach der Befreiung mündete in das Lied des Chores, der ein «Gebet für die Ukraine» sang. Die biblische Geschichte und unsere Gegenwart kamen sich ganz nahe.

Es war viel los am Juniatag in Klingnau. Im Pfarreizentrum, in der Stadtkirche und auf der Höngerstrasse mit den Kindern in ihren Seifenkisten. Vielleicht war das mehr als eine zufällige Gleichzeitigkeit. Seifenkisten brauchen einen gewissen Anschub, aber dann nehmen sie aufgrund der Schwerkraft Schwung auf und steuern – von kindlicher Leidenschaft – gelenkt dem Ziel entgegen. Möge die #Juniainitiative ein solcher Anschub sein für die prophetischen Stimmen in der Kirche und möge die Schwerkraft der Glaubwürdigkeit für unaufhaltsamen Schwung sorgen. Und möge sich so das prophetische Wort Gottes aus dem Buch Joel erfüllen, das am Juniatag mehrfach zitiert wurde: «Ich werde meinen Geist ausgiessen über alle. Eure Söhne und Töchter werden Propheten und Prophetinnen sein».

 

Peter Zürn, Seelsorger in Klingnau im Pastoralraum Aare-Rhein

Fotos: Karin Kalt

 

Literatur:

Fischer, Irmtraud: Gotteskünderinnen. Prophetinnen in der hebräischen Bibel. 2. Auflage, 2025. Kohlhammer

Weitere Publikationen von Prof. Irmtraud Fischer finden Sie hier!

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Ordination zum sakramentalen Dienst

Wir sind …

… bewährte Frauen* im kirchlichen Dienst und in Ordensgemeinschaften. Wir arbeiten und wirken seit Jahrzehnten in Pfarreien, Spitälern, Heimen, Schulen, Gefängnissen und an vielen anderen Orten.

 

… für die Menschen da, lachen und weinen mit ihnen, wir predigen und taufen, wir halten und salben Hände, übernehmen Leitungsaufgaben und verkünden das Evangelium Jesu Christi.

 

… längst bereit für die Ordination zum sakramentalen Dienst im Vertrauen, dass Gott uns gerufen hat und uns durch Menschen täglich neu ruft.

 

… befähigt zum Feiern der Sakramente, weil wir über spirituelle Reife, Lebenserfahrung und theologische Bildung verfügen. Als gesandte Frauen* mit Ordination zum sakramentalen Dienst möchten wir der Kirche ein vielfältigeres Gesicht geben.

 

Bist DU eine Frau*, die zur Ordination bereit ist? Du möchtest Sakramente feiern? DU tust das seit langem im Stillen? Dann bist DU bei uns in der richtigen Community. Schreibe uns!

 

Sind SIE in einer katholischen Gemeinschaft oder Gemeinde engagiert? Als Mitglied, als Ordensfrau, Ordensmann oder Priester? Erleben SIE, dass sich Frauen* im kirchlichen Dienst auf vielfältige Weise bewähren? Dann unterstützen SIE / unterstütze DU einzelne sendungsbereite Frauen* oder die #JuniaInitiative! Vernetzen wir uns.

 

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Wir träumen von einer Kirche, die sich wieder vermehrt auf ihre Wurzeln und ihren Ursprung in Jesus Christus besinnt, dass sie ihm nacheifere in Worten und Handeln und sich vehement gegen jede Form von Ausgrenzung einsetze. Wir träumen davon, dass sie in ihren eigenen Reihen damit beginnt alle Menschen und unabhängig von Geschlecht und Lebensform, entsprechend ihren Fähigkeiten und Charismen, in den Dienst zu nehmen und auszusenden.

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