Melanie Berten

Melanie Berten

Das Schwache in der Welt hat Gott erwählt (1 Kor 1,27).

Funktion / Engagement in der Kirche / Land, Bistum…

Psychiatrieseelsorgerin im Bistum Chur/Schweiz

Motivation

Mir wurde nur einmal von jemandem eine Berufung zu einer sakramentalen Sendung zugesprochen. Auch kann ich nicht von mir behaupten, mich für die Diakonats-, die Priester- oder sonst eine Weihe berufen zu wissen.
Jedoch bin ich – wie viele andere auch – überzeugt, dass sich in unserer Kirche dringend gründlich etwas ändern muss. Die Skandale, welche (insbesondere) in den vergangenen zehn Jahren zutage traten, lassen ein Verhalten von Kirchenvertreter*innen erkennen, welche wie die Räuber in Lukas 10 wehrlose Menschen zu Opfern machen bzw. wie der Priester und der Levit diese achtlos liegen lassen und ihren eigenen Prioritäten nachgehen.
Es ist mir ein Anliegen, dass wir zu einer Kirche werden, welche sich mehr als bisher am Beispiel des Samariters orientiert. Ein gleichwertiges Zusammenwirken von Frauen und Männern auf allen Entscheidungsebenen sowie eine Machtverteilung im Sinne von „checks and balances“ sind dafür entscheidende Voraussetzungen.
Ich melde mich hier, weil ich es wichtig finde, dass wir uns in diese Richtung bewegen. Wofür auch immer ich persönlich berufen bin oder nicht – ich melde mich, weil ich diese Initiative genial finde. Sie ist deshalb genial, weil es einen entscheidenden Unterschied bedeutet, ob „abstrakt“ mehr Rechte für Frauen gefordert werden oder ob es um die Berufung konkreter Personen geht. Damit diese Initiative etwas bewirkt, ist es wichtig, dass möglichst viele Frauen dafür vorgeschlagen werden oder sich zur Verfügung stellen. Dazu möchte ich meinen Teil beitragen und erhoffe mir, anderen dadurch diesen Schritt leichter zu machen.

Dann gibt es noch ein Thema, welches mich in diesem Zusammenhang beschäftigt: In meiner Tätigkeit als Klinikseelsorgerin kommt es vor, dass Menschen bei mir de facto beichten (auch wenn sie dies nicht so deklarieren). Es schmerzt mich, sie dann ziehen zu lassen, ohne ihnen die Absolution erteilen zu dürfen.
Zudem empfinde ich nichts in der Kirche als diskriminierender, als wenn Frauen nur die Wahl haben, bei einem Mann das Sakrament der Versöhnung zu empfangen – oder gar nicht.